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Lifestyle - 20. März 2019

Reisemedizin – was sein muss, muss sein

Es muss nicht gleich Malaria oder Cholera sein – auch Fieber und Durchfall können deine Reise zu einem unvergesslichen (negativen) Erlebnis machen. Mit uns reist du ganz entspannt.

5 Min.

Schon seit Wochen freust du dich auf die große Reise, den wohlverdienten Urlaub. Für dich bedeutet das: Energie tanken, Erholung vom stressigen Alltag und das Erleben von anderen Kulturen. Es geht um positive Eindrücke und darum, die Seele baumeln zu lassen. Die Vorbereitungen dafür sind längst abgeschlossen, der neue Rucksack gekauft und befüllt. Auf dein Smartphone hast du dir verschiedene Reiseführer geladen, eine Abwesenheitsnotiz in deinem Mail-Account eingerichtet und für genügend Speicherplatz auf der Kamera gesorgt. Klingt so, als hättest du an alles gedacht und dass dich böse Überraschungen gar nicht treffen könnten.

Dabei vergessen wir in der Euphorie oft das Wichtigste: unsere Gesundheit. Man kann es dir gar nicht übelnehmen, denn neue Hotspots zu erkunden macht auf jeden Fall mehr Spaß als langweilige Reiseimpfungen. Wer aber schon einmal mit Fieber oder Durchfall im Urlaub gekämpft hat, bereut das ganz schnell. Denn Vorsorge ist besser als Nachsorge. Damit du dich nicht durch Literatur, Websites und Ratgeber wühlen musst, haben wir für dich das Wichtigste zum Thema Reisemedizin zusammengefasst:

Unter Reisemedizin versteht man den Bereich der Medizin, der sich mit der Vorsorge (z. B. Impfungen), der Diagnose und der Therapie von Krankheiten befasst, die man auf Reisen eingefangen hat. Sie überschneidet sich mit dem Fachgebiet der Tropenmedizin. Über Malaria-Prophylaxe und Co. kannst du dich auf den Seiten des Centrums für Reisemedizin (www.crm.de), bei deinem Hausarzt und dem Tropeninstitut einer Universität in deiner Nähe beraten lassen.

Die Reiseimpfung

Eine Reise ist eine gute Gelegenheit, um vom Arzt den Standardimpfschutz kontrollieren zu lassen und sich über fehlende Impfungen zu informieren. Denn wie du wahrscheinlich weißt, ist die richtige Vorsorge abhängig von deinem Reiseziel und der Art der Reise.

Fernreisen
Es war schon immer ein Traum von dir, nach Afrika, Asien oder Lateinamerika zu reisen? Dann solltest du vor Reiseantritt unbedingt gegen Hepatitis A, Polio, Typhus und gegebenenfalls Tollwut geimpft sein. Planst du einen längeren Aufenthalt, wird auch eine Hepatitis -B-Impfung empfohlen. Gegen das von Mücken übertragene Gelbfieber, das in einigen Teilen Afrikas und Lateinamerika verbreitet ist, besteht zudem eine Pflicht für die Gelbfieberimpfung. Die lebensbedrohliche japanische Enzephalitis wird ebenfalls von Mücken übertragen, eine Impfung dagegen solltest du bei Reisen in ländliche Gebiete Süd- und Südostasiens nutzen. Eine Cholera-Schluckimpfung wird für Reisen nach Afrika und Süd-Asien relevant.

Ost- und Südosteuropa
Klingt nicht sehr tropisch, also lauern dort auch keine exotischen Krankheiten? Hier sind nicht kleine Mücken gefährlich, sondern eher streunende Tiere. Tollwut kann zu einem Risiko werden. Gegebenenfalls ist eine Impfung notwendig.

Reisen ans Mittelmeer
Das Risiko, an Hepatitis A zu erkranken, ist hier achtmal höher als in Deutschland. Übertragen wird die „Reisegelbsucht“ vor allem über verunreinigte Nahrungsmittel, Muscheln, Salate oder Eis. Das liegt unter anderem an den abweichenden Hygienestandards. Bei Urlauben ans Mittelmeer empfiehlt sich also eine Hepatitis-A-Impfung. Geht es in ländliche Gebiete der Türkei, kann auch eine Typhus-Impfung sinnvoll sein.

Reisen innerhalb Deutschlands
Damit hast du wahrscheinlich nicht gerechnet, aber ja, auch hier kann manchmal eine Reiseimpfung sinnvoll sein, z. B. wenn du nach Bayern zum Wandern reist. Hier wird die FSME-Impfung empfohlen.

International, also z. B. in Nordamerika, Australien, Neuseeland oder im tropischen Afrika, ist auch immer der Schutz gegen Meningokokken wichtig. Die Verbreitung ist ganz unterschiedlich und die Anzahl der verschiedenen Gruppen groß – das macht eine Impfung nicht ganz einfach, aber möglich. Übrigens: Eine Malaria-Impfung gibt es nicht.

International, also z. B. in Nordamerika, Australien, Neuseeland oder im tropischen Afrika, ist auch immer der Schutz gegen Meningokokken wichtig. Die Verbreitung ist ganz unterschiedlich und die Anzahl der verschiedenen Gruppen groß – das macht eine Impfung nicht ganz einfach, aber möglich. Übrigens: Eine Malaria-Impfung gibt es nicht.

Tropen Reisemedizin B@1X

Kosten einer Reiseimpfung

Alle Impfungen, die sowieso zum Standardprogramm in Deutschland gehören, werden von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt. Die meisten erstatten außerdem empfohlene Auslandsreiseimpfungen wie die gegen Hepatitis A. Meistens musst du dafür nur die Rechnung (Cholera-Impfung-Kosten, Gelbfieberimpfung-Kosten usw.) einreichen und erhältst nachträglich eine Erstattung, manchmal klappt es auch über deine Versichertenkarte.
Bist du privat versichert, hängt die Kostenübernahme von deinem Vertrag ab. Am besten erkundigst du dich direkt bei deiner Versicherung.

Wann du zum Reisemediziner solltest

Am besten lässt du dich sechs Wochen vor Beginn deiner Reise über erforderliche Maßnahmen beraten. Klingt sehr zeitig, aber vergiss nicht: für einen ausreichenden Schutz sind manchmal mehrere Impfungen notwendig, auch kann es einige Wochen dauern, bis der Impfschutz aufgebaut ist.

Da es auch Pflichtimpfungen gibt, ohne die du nicht einreisen darfst, ist rechtzeitige Planung wichtig. Hier kann unter Umständen ein bestimmter Zeitraum vorgeschrieben sein. Du hast nicht Monate vorher gebucht, sondern eine Last-Minute-Reise zu sagenhaften Konditionen ergattert? Auch hier lohnt es sich, zum Arzt zu gehen. Die Hepatitis-A-Impfung ist nämlich auch kurzfristig möglich, und allgemein gilt sowieso: lieber kurz vor Abreise impfen lassen, als gar nicht.

Einfache Regeln und Tipps für deine nächste Reise

Reisedurchfälle sind die häufigste Krankheit unterwegs und treten vor allem in den ersten beiden Wochen auf. Gerade wenn du mit kleinen Kindern oder einer schwangeren Partnerin verreist, kann das für diese nicht nur nervig, sondern auch gefährlich werden. Du siehst: zur Vorsorge gehören nicht nur Impfungen.

Aber: Mit ein paar Hygiene-Tipps kannst du Reisedurchfällen gut vorbeugen. Präge dir am besten diesen Spruch gut ein:

Cook it, boil it, peel it, or forget it!

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Denn eine Reisediarrhoe wird meistens durch Bakterien und Viren verursacht, die in verunreinigten Nahrungsmitteln und Getränken lauern. In 20 bis 70 % der Fälle sind Kolibakterien die Ursache und nicht wie so oft gedacht Salmonellen oder Choleraerreger. Aber auch Faktoren wie Stress, Ernährungsumstellung, ungewohnte Ernährung, Zeitumstellung und Klimawechsel können dir eine unangenehme Zeit bescheren.

Das kannst du tun, wenn es dich erwischt hat:

Viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen!

Auf 1 Liter Trinkwasser:

  • 8 Teelöffel (Trauben-)Zucker
  • 1 gestrichener Teelöffel Kochsalz
  • 3/4 Teelöffel Backpulver (Natriumbikarbonat)
  • zusätzlich möglichst Fruchtsäfte zufügen oder 1-2 Bananen essen

Medikamente gegen akuten Durchfall unterdrücken oft nur die Symptome, legen den Darm lahm und hindern ihn daran, die Erreger loszuwerden. So verbleiben diese nur länger in deinem Körper.

Alle nicht-medikamentösen Vorbeugemaßnahmen, die die Wahrscheinlichkeit senken, sich einem Erreger auszusetzen und möglicherweise zu infizieren, nennt man Expositionsprophylaxe. Das ist besonders bei Insekten wichtig. Hier ist schützende Kleidung das A und O. Dazu gehören langärmelige Klamotten, feste Schuhe und Strümpfe. Diese sollten außerdem dicht gewebt sein, damit Mücken nicht hindurchstechen können.

Eine Imprägnierung mit Permenthrin hilft, wenn die hohen Temperaturen dich zwingen nur sehr dünne Kleidungsstücke zu tragen. Es gibt sogar Kleidung, die bereits imprägniert ist, wo also das Permenthrin bereits im Garn eingearbeitet wurde. Außerdem wichtig: der richtige Schlafplatz. Tiere fliegen nicht vom Warmen ins Kalte, geschlossene und klimatisierte Räume bieten so einen einfachen Schutz. In den Tropen immer unter einem Moskitonetz schlafen und bei der Auswahl auf eine Lochgröße achten, die sowohl kleine Insekten abhält, als auch für eine geregelte Luftzirkulation sorgt (1,2-1,5 mm).

Fluss Reisemedizin B@1X

Die Tipps hast du nun alle notiert und fragst dich, was noch fehlt? Da du dich nicht den ganzen Tag einschließen oder wie eine Mumie umherwandeln möchtest, solltest du genügend Repellentien (Mückenschutzmittel) dabeihaben. Diese werden einfach auf nicht bedeckte Körperteile aufgetragen und bieten dann drei bis vier Stunden lang Schutz.

Pflanzliche Mittel wie Eukalyptus, Kokosöl, Lavendel und Citronella werden zwar von vielen Reisenden als Mückenschutz benutzt, sind aber in der Wirksamkeit den chemischen weit unterlegen. Der geeignete Wirkstoff nennt sich DEET. Je höher die Konzentration, desto länger hält der Schutz an (für die Tropen mindestens 30 %).

Und wenn es doch passiert? Reisemedizin und Erste Hilfe für den Urlaub

Eine Auslandskrankenversicherung ist nicht teuer, meistens hast du sie sogar über deine Kreditkarte oder andere Verträge integriert, ohne es zu wissen. Hast du jedoch keine, wird es richtig teuer. Du solltest darauf achten, dass neben der medizinischen Versorgung vor Ort auch der Rücktransport im Krankheitsfall abgedeckt und eine 24-Stunden-Hotline für dich im Notfall erreichbar ist. 

Übrigens: die europäische Krankenversicherungskarte EHIC ist keine Auslandskrankenversicherung! Was PKV-Versicherte angeht, haben diese zwar grundsätzlich Versicherungsschutz in ganz Europa und für die Dauer von einem Monat auch weltweit, dennoch sollte vor Reiseantritt die Finanzierung eines eventuellen Rücktransportes abgeklärt werden.

Der Urlaub soll die schönste Zeit des Jahres werden. Damit es auch dabei bleibt, informiert dich dein Arzt über entsprechende Vorsorgemaßnahmen.

App: Sicher Reisen

Die nötigen Infos für eine sichere und möglichst reibungslose Auslandsreise in der neuen App des Auswärtigen Amts.

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