24. April 2019

Fructoseintoleranz: Das böse Obst

Naschkatzen aufgepasst – versteckter Fruchtzucker kann für einige Menschen zum Verhängnis werden. Fructose klingt zwar harmlos, kann aber für ordentlich Krach (im Bauch) sorgen. Und das sogar häufiger, als erwartet.

4 min.

An apple a day keeps the doctor away – ein Sprichwort, das jeder kennt. Doch stimmt das wirklich immer oder führt der besagte Apfel manchmal erst recht zum Arzt? Das Thema Fructoseintoleranz scheint unbekannt im Gegensatz zur Schwester Laktoseintoleranz – und das obwohl diese sogar seltener vorkommt.

Wer an einer Fructoseintoleranz leidet, kann Fruchtzucker nicht richtig verdauen. In Deutschland sei jeder dritte Erwachsene davon betroffen. Grundsätzlich verträgt jeder Mensch nur ein bestimmtes Maß an Fruchtzucker. Der Grund dafür liegt im Darm: Hier befinden sich Transporteiweiße, die Nährstoffe von hier aus in das Blut befördern.

Wie bei einem Lkw ist die Menge an Ladung, die diese Transporter befördern können, begrenzt. Sind die winzigen Transporter defekt, kann weniger Fruktose verarbeitet werden als normal. Bei der Fructoseintoleranz handelt es sich also um eine eingeschränkte Fruchtzuckeraufnahme und nicht um eine Fructose-Allergie, Ananas-Allergie oder Bananen-Allergie.

Fructoseintoleranz: Symptome 

Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Völlegefühl und Bauchschmerzen – diese Symptome kommen so gut wie bei allen Nahrungsmittelunverträglichkeiten vor. So auch bei der Fructoseintoleranz. Sie werden durch den Fruchtzucker selbst ausgelöst. Im Dickdarm wird er nämlich von Bakterien zerlegt, Gase und stinkende Fettsäuren werden frei.

Unterscheiden lassen sich zwei Formen von Fructoseintoleranz:

Die intestinale Fructoseintoleranz, Typ 1

Sie kommt am häufigsten vor und nennt sich auch Fructose-Malabsorption beziehungsweise Frucht­zucker­­unverträglichkeit. Sie beruht auf dem defekten Transportsystem im Dünndarm und ist leichter zu behandeln als die erbliche Variante.

Die hereditäre Fructoseintoleranz, Typ 2

Hierbei handelt es sich um eine sehr seltene erbliche Störung des Fructose-Stoffwechsels, die von Geburt an auftritt. Dem Körper fehlt ein spezielles Enzym, weswegen Fruktose nicht abgebaut werden kann. Nicht nur in der Darmwand, auch in der Leber und den Nieren reichert sich der Zucker dann an. Deswegen ist diese Form so gefährlich, wenn sie unerkannt bleibt.

Worin ist Fructose enthalten?

Viele denken, Fructose sei nur in Obst enthalten. Das stimmt so nicht. Sie ist ebenso Bestandteil von Haushaltszucker und findet Verwendung in Süßwaren und Getränken (Achtung, Zuckerfalle).

Aber klar, Fruchtzucker ist in fast allen Früchten, Gemüsesorten und Getreideprodukten enthalten. Der Gehalt ist abhängig von Reifegrad, Sorte und Herkunft dieser Lebensmittel. Besonders fructosereich sind zum Beispiel Äpfel. Es ist also ziemlich schwierig, sich komplett fructosefrei zu ernähren und Lebensmittel ohne Fructose zu finden. Es klingt ja auch noch alles so gesund.

Oft genügt es aber bereits, sich einfach fructosearm zu ernähren. Fructosearme Lebensmittel sind zum Beispiel Himbeeren, Erdbeeren, Avocados, Gurken, Nudeln, Reis, reine Milchprodukte, Fleisch, Fisch und Eier. Sie sind gut verträglich – und wie du siehst, gibt es auch fructosearmes Obst.

Eine Fructoseintoleranz-Liste kann dir dabei helfen, den Fructose-Gehalt verschiedener Lebensmittel zu vergleichen.

Übrigens: der gleichzeitige Verzehr von Proteinen und Fetten verbessert die Verträglichkeit von Fructose.

So lässt sich eine Fructoseintoleranz feststellen

Jahrelanges Suchen, der Kampf mit den Beschwerden und etliche Arztbesuche – bis die Diagnose Fructoseintoleranz gestellt werden kann, vergeht oft einige Zeit. Die Beschwerden sind wie so oft zu unspezifisch. Steht die Vermutung im Raum, dass Fruchtzucker der Auslöser deiner Probleme ist, wird ein Atemtest durchgeführt. Dafür trinkst du eine Fructoselösung und pustest anschließend in ein Gerät. Dieses misst den Wasserstoffgehalt in deiner Atemluft. Ist dieser erhöht, ist das Anzeichen einer Fructose-Unverträglichkeit.

Denn wenn Fruktose im Darm nur eingeschränkt oder gar nicht aufgenommen werden kann, wird sie im Dickdarm von Bakterien aufgespalten. Bei diesem Vorgang entsteht Wasserstoff. Um eine hereditäre Fructose-Unverträglichkeit zu erkennen, wird eine Blutentnahme durchgeführt. Bei der körperlichen Untersuchung können mit Stethoskop und Abtasten des Bauches Darmgeräusche und vermehrte Luft entdeckt werden.

Behandlung und Ernährung bei Fructoseintoleranz

Bei der erblichen Variante muss komplett auf Fruchtzucker verzichtet werden. Bei der erworbenen Fructose-Malabsorption sollte Fruchtzucker „nur“ reduziert werden. Komplette Abstinenz würde zwar am Anfang die Beschwerden lindern, nach längerer Zeit könnte sich allerdings die Anzahl der Transporter im Darm verringern. Schon kleinere Mengen an Fruchtzucker würden dann später ausreichen, um Symptome auszulösen. In jedem Fall ist der Gang zum Ernährungsexperten ratsam, der einen individuellen Plan abhängig von den Essgewohnheiten zusammenstellen kann.

Die Fructose-Dos und -Don‘ts

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Lebensmittel dir bei einer Fructoseintoleranz gefährlich werden könnten, haben wir dir hier eine kompakte Übersicht für dich zusammengestellt. 

  • Obst mit wenig Fruchtzucker: Bananen, Aprikosen und Beerenfrüchte 
  • Glukose in Form von Traubenzucker 
  • Obst mit Milchprodukten mischen
  • Äpfel, Birnen, Mangos, Trauben, Trockenfrüchte, Honig, Birnendicksaft, Apfelkraut, Frucht- und Gemüsesäfte, Haushaltszucker, Süßungsmittel 
  • Obst pur als Snack zwischendurch essen 
  • Zuckeraustauschstoffe wie Xylit, Sorbit, Mannit

Wenn du tatsächlich eine diagnostizierte Fructose-Unverträglichkeit hast, dann unterstützen dich Apps dabei, welche Lebensmittel du essen oder meiden solltest – wie beispielsweise die App Cara:

App: Cara - Coach für deine Bauchgesundheit

Erfasse deine täglichen Ernährungs- und Symptomdaten, wo und wann es dir passt. Analysiere Veränderungen.

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