2. April 2019

Alles über Allergien: Wenn der Körper gereizt reagiert

Sie kommen ganz plötzlich – oft, wenn man gar nicht mehr damit gerechnet hat – und sind anfangs erst einmal ganz schön erschreckend: Allergien. Tatsächlich leidet jeder dritte Deutsche unter ihnen, oft sind sie aber halb so wild. Lies hier alles über allergische Reaktionen.

5 Min.

Die Sonne zeigt sich öfter, die Tage werden wärmer und das Energielevel steigt: Für viele Menschen ist der Frühling die schönste Zeit im Jahr. Für andere ist das aber der absolute Albtraum, denn ab Februar fliegen wieder die Pollen und sorgen für juckende Augen und triefende Nasen. Ein knappes Drittel der Deutschen leidet an Allergien – und nicht nur Pflanzen machen ihnen dabei zu schaffen: Auch Erdnüsse, Katzenhaare oder die Sonne können den Körper in Alarmbereitschaft versetzen und eine allergische Reaktion auslösen. Und der Trend zeigt:

„Nie gab es so viele Allergiker wie heute.“

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Wahn oder Wirklichkeit? Allergien sind immer verbreiteter

Die Zahl der Allergiker stieg in den letzten Jahrzehnten stark an. Insgesamt sind in Deutschland 35,8 % der Frauen und 24,1 % der Männer betroffen, 15 % der Deutschen haben Heuschnupfen. Das war nicht immer so: Eine Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2000 zeigt, dass allein die Häufigkeit von Heuschnupfen bei Erwachsenen in den letzten 70 Jahren um 70 % gestiegen ist.

Aber warum reagiert unser Immunsystem so gehäuft mit Allergien auf bestimmte Stoffe? Viele Forscher sind überzeugt, dass das mit unserem modernen Lebensstil zu tun hat. Früher wurde das Immunsystem durch ständigen Kontakt mit Allergenen auf Trab gehalten. Dank unter anderem haltbar gemachter Lebensmittel und Antibiotika und immer besseren hygienischen Verhältnissen sind wir Allergenen weniger stark ausgesetzt, das Immunsystem wird weniger angeregt und die durchaus positiven Reize fehlen. Die Folge: Die Zellen, die in unserem Körper normalerweise gegen wirklich bedrohliche Erreger schützen, sind unterfordert und reagieren auf eigentlich nicht gefährliche Stoffe wie Pollen grundlos über.

Als weitere Gründe führen Forscher Zigarettenrauch und Umweltgifte, aber auch fehlende Bewegung, ständigen Stress und schlechte Ernährung an. Nicht zuletzt kann der starke Anstieg der Pollenallergiker auf die Klimaerwärmung zurückgeführt werden: Durch die klimatischen Veränderungen verlängert sich die Blühzeit der Pollen und die Gesamtzahl der Allergieauslöser steigt. Gleichzeitig verbreiten sich hierzulande immer mehr nicht-heimische Pflanzen mit aggressiven Pollen.

Pollen Allergien Allgemein B

Jucken, Niesen, Nase laufen: Was ist eine Allergie eigentlich?

Unser Körper ist schon merkwürdig, bestimmte Stoffe können ihn in kürzester Zeit völlig aus der Bahn werfen. Der Grund für solche Allergien ist eine Fehlsteuerung unseres Immunsystems: Dieses wehrt normalerweise nur gesundheitsschädliche Viren und Bakterien ab, zum Beispiel bei einer Grippe – eine sehr wichtige Funktion. Bei einem Allergiker reagiert das Immunsystem überempfindlich und bewertet auch unbedenkliche Substanzen aus der Natur und der Umwelt als Gefahr. Dabei kommt es in den meisten Fällen nicht direkt zu einer allergischen Reaktion: Beim ersten Kontakt mit dem Allergen werden Antikörper gebildet, die sogenannte Sensibilisierungsphase. Erst beim zweiten Kontakt schütten diese dann Entzündungsstoffe aus und Symptome treten auf – die Atemwege verengen, Juckreiz setzt ein oder Quaddeln am Körper entstehen.

Eine besondere Art der Allergie ist die Kontaktallergie: Sie ist dadurch gekennzeichnet, dass ihre Symptome erst 24 Stunden bis drei Tage nach Kontakt auftreten. Die allergieauslösenden Substanzen verbinden sich erst mit den körpereigenen Proteinen der Haut und werden dadurch zu Allergenen. Der Prozess kann relativ lange dauern, weshalb die Entzündungsreaktion und eine sichtbare Hautveränderung wie Quaddelbildung, Hautrötung, Schwellung, Bläschen, Juckreiz oder Brennen verzögert auftreten kann. Die meist verbreitete Allergie dieser Art ist die Nickelallergie. Aber auch andere Metalle, Pflanzen, Duftstoffe oder Materialien wie Kleber (zum Beispiel bei einer Pflasterallergie) können eine Hautreizung auslösen.

Bei Kreuzallergien wird es besonders schlimm: Hier reagiert der Betroffene auf verschiedene Allergene gleichzeitig, häufig sind das nahe Verwandte bestimmter Allergene. So kann ein Pollenallergiker zum Beispiel auch beim Verzehr von Nüssen mit Juckreiz und Schwellungen reagieren.

Kreuzallergien Allergien Allgemein B

Welche Allergien gibt es?

Eine Umfrage der Apotheken Umschau zeigt: Die häufigste Allergie in Deutschland ist die gegen Pollen. Über 62 % leiden hierzulande unter Heuschnupfen.

Das sind die am weitesten verbreiteten Allergien:

  1. Pollen: 62 % haben Heuschnupfen.
  2. Hausstaub oder Milben: Über 23 % der Befragten leiden unter Hausstaub- oder Milbenallergie.
  3. Tierhaare: Platz 3 belegen die Haare von Tieren (21,6 %), vor allem Katzen- und Hundehaare.
  4. Nahrungsmittel: Allergien auf bestimmte Gemüse- und Obstsorten, Milch, Nüsse oder Eiweißstoffe sind ebenfalls häufig, 17,6 % leiden darunter.
  5. Medikamente: Überreaktionen wie Hautausschlag oder ähnliches können auch von Medikamenten kommen – 12,3 % der Befragten leiden darunter.

Außerdem gibt es im Alltag noch weitere Allergien, die häufig auftreten. Im Sommer ist für viele eine Sonnenallergie besonders lästig. Diese äußert sich durch errötete Haut oder kleine Bläschen. Bereits bei geringer Sonneneinstrahlung sollten Patienten ihre Haut mit Sonnencreme schützen und einen Bogen um die pralle Sonne machen, um allergische Hautreaktionen zu vermeiden.

Eine Schimmelpilzallergie ist weniger leicht zu erkennen: Schimmelpilze findet man fast überall, etwa in Räumen oder auf Lebensmitteln. Sie gelangen über die Atemluft in den Körper und lösen dann Reaktionen aus. Diese ähneln dann den Begleiterscheinungen von Heuschnupfen oder einer Hausstauballergie, daher sollte man bei Symptomen unbedingt einen Arzt konsultieren.

Hund Allergien Allgemein B

Pflanzenpollen, Tierhaare, Schimmelsporen und Co. können aber auch als Auslöser für allergisches Asthma auftreten. Das ist eine chronische Bronchienerkrankung, meist genetisch veranlagt. Hier ist die Atemwegsschleimhaut chronisch entzündet und das Bronchialsystem daher empfindlich gegenüber verschiedenen Reizen. Symptome sind pfeifende Atmung, Kurzatmigkeit oder Luftnot, meist fallen diese anfallartig auf.

Eine allergische Reaktion: So behandelst du sie

Wie in den meisten Fällen gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge. Am besten lassen sich allergische Reaktionen also durch das Meiden des auslösenden Allergens (Karenz) verhindern. Bei einer Nahrungsmittelallergie ist das meist kein Problem, auf die betreffenden Stoffe kannst du verzichten. Bei anderen Allergien wie die gegen Pollen ist das schwerer. Hier kann dich eine App aber zumindest davor warnen, wann der Pollenflug besonders hoch ist.

App: Klara

Klara bietet standortbasierte Pollen- und Luftqualitätsdaten an. Das erleichtert dir den Umgang mit deiner Allergie im Alltag.

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Vor vielen Auslösern kannst du dich tatsächlich kaum schützen, daher müssen einige Allergien auch medikamentös behandelt werden. Der erste Weg ist hier immer der zum Facharzt (Pneumologe, HNO-, Haut- oder Hausarzt), der mithilfe verschiedener Diagnoseerfahren die Auslöser der Allergie feststellen kann. Bei der Behandlung von Allergien muss man zwischen der kurzfristigen Linderung und einer langfristigen Behandlung unterscheiden:

  • Kurzfristige Linderung: Akute Beschwerden können meist mit Medikamenten behandelt werden. So werden Symptome entweder unterbunden oder abgeschwächt. Topische Medikamente beschränken sich dabei auf den Bereich des Körpers, wo die Symptome gelindert werden sollten – dazu zählen zum Beispiel Nasentropfen, Augentropfen und Asthma-Sprays. Systemische Allergiemedikamente wirken dagegen auf den ganzen Körper und werden durch Tabletten, Tropfen oder Spritzen verabreicht. Antihistaminika blocken hierbei die Histamin-Rezeptoren der Zellen und die Allergiesymptome wie Rötung, Quaddeln am Körper oder Niesen lassen nach.
  • Langfristige Linderung: Eine langfristige Linderung kann durch Hyposensibilisierung erfolgen: Durch die schrittweise Verabreichung von immer höher werdenden Dosen des allergieverursachenden Stoffes soll eine Art Allergie-Impfung erfolgen. Dadurch kann eine Allergie im besten Fall sogar komplett verschwinden – diese Hyposensibilisierung kann aber drei bis fünf Jahre dauern.

Je nach Allergie kann eine andere Therapieform die beste sein. Welche Form für dich geeignet ist, besprichst du am besten zusammen mit deinem Arzt.

Jetzt aber bitte keine Panik: Wenn’s juckt oder kribbelt muss das nicht gleich eine Allergie bedeuten. Oft sind es auch nur vorübergehende Reizungen von Haut oder Schleimhäuten und können ganz ohne Medikamente und mit ein bisschen Geduld von ganz alleine weggehen. Probiere beim nächsten Mal einen Online-Allergietest aus. Er kann dir einen ersten Hinweis darauf geben, ob eine Allergie vorliegt.

Und sollte es so sein, wirf einen Blick auf unsere Tipps gegen Allergien und atme ganz tief durch. Denn: Erwiesenermaßen hilft Entspannung, die Symptome von Allergien besser zu kontrollieren!

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